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Es
war ein kalter, sonniger Wintertag, als ich zu dir in die Tierklinik
komme. Ich weiß so wenig
von dir, sah dich zum ersten Mal, als du vor sechs Wochen
gefunden wurdest und ins Tierheim kamst. Du warst die Ärmste der Armen,
denn du bist alt, du bist allein, und du bist blind. Wo kommst du her?
Warum wurdest du nicht gesucht? Wurdest du einfach vor die Tür gesetzt?
Sind Menschen so grausam? Du musst außer dir vor Angst gewesen sein,
als du alleine herumirrtest. Nie mehr werde ich erfahren, was du in
deinem langen Katzenleben erdulden und erleiden musstest. So sehr habe
ich mir gewünscht, dass du bei lieben Menschen noch den Rest deines
Lebens verbringen darfst. Doch es sollte nicht sein, und deine
geschundene Seele machte auch deinen Körper sehr krank. Arme, alte
Katzenfrau.
Regungslos,
zusammengekauert zum Fellknäuel liegst du nun in deiner Box. „Diana,
meine Liebe, ich bin’s.“ Du hebst dein müdes Köpfchen und schaust
mich mit deinen blinden Augen an. Vorsichtig lege ich meine Hand unter
deinen Bauch, hole dich aus der Box und lege dich wie immer in meinen
Arm. Du schmiegst dich an mich, und es zerreißt mir fast das Herz.
„Meine Liebe, ich bin bei dir, du bist nicht allein. Ich werde dich
begleiten, wenn du deine letzte Reise über die Regenbogenbrücke gehst.
Ich bin bei dir.“ Ich wollte so stark sein, doch die Tränen fließen.
Ich wiege dich in meinen Armen, streichle und liebkose dich, möchte
dich nicht loslassen. Noch nicht - es ist immer zu früh. „Arme,
tapfere Katzenfrau. Ich singe dir ein Lied. Ich bin bei dir…“
Ruhig
und schwer liegst du in meinen Armen, als du dich auf leisen Pfoten
aufmachst in den Katzenhimmel. „Nimm meine Tränen mit, du sollst
wissen, wie sehr ich um dich geweint habe. Und vergiss nicht, dass du
immer einen Platz in meinem Herzen haben wirst.“
Zwischen
einer Birke und einer Buche liegst du nun im Schoß von Mutter Erde –
gehüllt in eine dicke Decke, damit du nicht frieren musst. „Keine
Angst, meine Kleine, die Bäume
werden dich beschützen.“
Und
als ich an diesem Ort meine Augen schließe, sehe ich dich mit klaren,
blitzenden Augen und schrägem Blinzeln im Katzenhimmel. Du spielst mit
den anderen Miezen, die vor dir über die Regenbogenbrücke gingen, läufst
mit ihnen um die Wette. Und endlich: Wie „Diana - die Göttin der
Jagd“ fängst du bunte Bälle. Dieses Bild zaubert mir ein Lächeln
ins Gesicht. An diesem kalten, sonnigen Wintertag.
Ilona
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