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Der
Himmel auf Erden
Schon
als Kind wuchs ich auf unserem kleinen Einöd-Bauernhof mit Tieren auf.
Besonders meine Ziege Petzi war mein Ein und Alles. Doch eines Tages auf
dem Rückweg von der Schule war sie weg. Geschlachtet von meinen Eltern.
Nun ja, die Zeiten waren anders, die Nutztiere zum Schlachten da...
Dieser Schock wird für immer in einem Gedächtnis eingebrannt sein.
Seitdem ist sehr viel Zeit vergangen und jetzt bin ich nicht mehr so
hilflos wie damals als Kind. Aus diesem Grund gab es auch im Jahr 2006
kein Zögern für mich, als der Anruf an einem grauen Herbsttag kam:
Ziegen in Not. Werden gerade geschlachtet. In letzter Minute kamen wir
am Bauernhof an, in dem sie gerade schlachteten. Die Ziegen nahm ich
dann im Auto mit nach Hause. Der Bauer hat sie mir freiwillig gegeben.
Denn aus diesen Zwergziegen "geht ja eh nichts raus". Mit
diesen Worten im Kopf kam ich nach einer aufregenden Fahrt nach Hause.
Mit einem neuen Problem. Wohin mit der Fracht? Im Tierheim ist kein
Platz. Diese Tiere hatten noch nie etwas Schönes. Sie standen im Stall,
im eigenen Dreck. Nur gehalten, um geschlachtet zu werden. Sollen sie
erst mal hier bleiben. Gut, dass unser Hühnerstall und Garten groß
genug waren für die zeitweilige Unterbringung für die drei
verschreckten armen Kreaturen. Naiv dachte ich, wenn im Tierheim Platz
geschaffen ist, dann sind sie dort gut untergebracht. Jedoch
verzögerten sich die Bauarbeiten, da im Winter natürlich schlecht zu
arbeiten ist. Und so blieben sie eine Weile bei mir. Und jeden Tag
schloss ich meine drei Ziegenfreunde fester ins Herz. Den Bock taufte
ich Bruno, die beiden Weibchen Klara und Emma. Bruno ließ ich im
Dezember kastrieren, alle drei machten sich prächtig und wurden jeden
Tag ein bisschen zutraulicher. Eine Freude.
Mein Gesicht hättet ihr
sehen sollen, als ich am 16. März 2007 frühmorgens in den Stall kam
und Emma ein kleines Zicklein zur Welt gebracht hatte. War ich doch der
Meinung, da kann nichts mehr passieren. Aber Bruno war wohl noch vor
seiner Kastration schneller. Dass meine Geißen "leichte
Wohlstandsbäuchlein" bekommen hatten, war mir schon klar. Aber
Umstandsbäuche?? Natürlich hatte Bruno auch bei Klara ganze Arbeit
geleistet und am Karfreitag erblickte ihr kleines Kitz mit mir als
Hebamme das Licht der Welt. Die beiden Kleinen heißen Felix und Anton.
Da natürlich fünf Ziegen jede Menge Platz brauchen, wurde unser Garten
anders aufgeteilt und ein ziegenfreundliches Gehege geschaffen. Meinem
Mann möchte ich da an dieser Stelle recht lieb danken. Ja, fünf Ziegen
machen viel Arbeit. Es sind ganz ausgespitzte Naschkatzen und knabbern
an allem, was sie nicht sollen. Aber wenn Emma vor lauter Freude beim
täglichen Bürsten nicht mehr weiß, wie sie sich drehen soll, weil es
ihr so gut tut; Felix und Anton rumturnen und ihre Kräfte messen; Klara
gierig zu mir aufschaut, ob es noch etwas Leckeres zum Fressen gibt und
unser Bock Bruno ganz würdevoll auf seiner Aussichtsplattform thront
und auf uns und die Seinen herabsieht; dann, ja dann ist bei uns der
Himmel auf Erden. Und ich danke meinen lieben Ziegenfreunden für die
Freude, die si mir jeden Tag schenken.
Roswitha
Rixinger |