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Jade
- vermittelt !!! -
Liebe
Katzenfreunde,
normalerweise hat ein Youngster wie ich noch nicht viel zu erzählen.
Von wegen! Denn auch ich habe eine ganz spektakuläre Geschichte.
Mein bisheriges, einjähriges Leben
verlief gar nicht mal so übel. Denke ich mal so, ich weiß ja nicht,
wie ein wirklich gutes Katzenleben aussieht. Hab ja keinen Vergleich.
Letztendlich waren meine Dosenöffner aber
sehr unvorsichtig. Denn jeder weiß doch, dass man in einer
Katzenwohnung keine Fenster kippen darf. Und wenn, dann gibt es dafür
Sicherungen. Schon viele Miezen sind durch Kippfenster schwer verletzt
worden oder gar ums Leben gekommen. Ist überall zu lesen und zu hören.
Aber meine Vorbesitzer sind entweder blind, taub oder einfach nur dumm.
Mich selbst trifft absolut keine Schuld, ich bin ein ungestümes Kätzchen,
kenn doch die Gefahr nicht! Und als ich allein zuhause war, sah ich nur
den Spalt am Fenster, der mir Freiheit nach draußen versprach. Also ein
Sprung – und ich war eingeklemmt. Ich schrie jämmerlich vor Schmerz
und Panik, doch niemand hörte mich. Erst nach Stunden wurde ich befreit
und zum Tierarzt gebracht. Diagnose eindeutig: Als Opfer eines
Kippfensters waren die Nerven meiner Wirbelsäule verletzt. Das hieß,
ich konnte mich nur noch kriechend auf den Vorderpfoten fortbewegen.
Kaum ein Jahr alt und schon schwer behindert, war ich sehr verzweifelt.
In meinen Schmerzen wünschte ich mir so sehr ein wenig Zärtlichkeit
und Zuspruch von meinen Menscheneltern – schließlich waren sie doch
an allem schuld. Doch weit gefehlt. Die zogen sich sehr geschickt aus
der Affäre und ließen sich einfach nicht mehr blicken. Mehr oder
weniger brachten sie mich nur zum „Entsorgen“ in diese Praxis. So
was tut der Seele weh – das könnt ihr mir glauben.
In Stich gelassen landete ich als hoffnungsloser Fall schließlich im
Tierheim. Mit zwei Pfoten bereits im Katzengrab hing mein Schicksal am
seidenen Faden. Also wurde ich wieder zum Tierarzt gebracht. Eine andere
Meinung einholen, sagte meine Menschenmama.
Und ich bekam Injektionen, die zwar ganz gewaltig pieksten, aber es hieß
„werden oder sterben“. So entwickelte ich einen ganz enormen Überlebenskampf.
„Ich schaffe es, ich schaffe es…“ miaute ich mindestens hundertmal
am Tag. Affirmation nennt man das. Und das Wunder geschah. Bald konnte
ich meine Hinterbeine wieder bewegen, bald konnte ich aufstehen, bald
kamen die ersten zaghaften Schritte. Ich war soo glücklich! Dem nicht
genug. In meinem Übermut und der absoluten Überzeugung, dass alles
wieder gut wird, fing ich an zu springen und zu laufen. Nun, ich bin
noch nicht perfekt, denn manchmal schwanke ich ein wenig, aber das geht
auch vorbei. Und endlich bekomme ich hier im Tierheim auch ein wenig
Zuwendung, ich werde gestreichelt, manchmal darf ich auch aus meiner
Krankenbox zum Laufen üben, ich werde sogar herumgetragen, dann
schnurre ich wie wild. Hab ich ganz vergessen, ich bin ja die
Oberschmuserin.
Obwohl ich jetzt natürlich sehr froh bin, ist das Tierheim nicht das
Gelbe vom Ei. Ich wünsche mir so sehnlich Menschen, die Zeit für mich
haben, die mit mir kuscheln und spielen. Als Wohnungskatze wäre ich glücklich,
denn draußen ist es zu riskant für mich. Aber eines will ich euch
sagen: Ich ziehe nur zu Leuten, die auch wissen, wie gefährlich
Kippfenster sind.
Euere Jade
(Ilona
Kienle)
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