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Es ist 6:15 Uhr morgens. Ein Schleier aus Nebel liegt über dem Dorf, auf das ich durch die Stille zugehe. Plötzlich brechen zwei düstere Kreaturen wild schnaubend aus der Nebelwand hervor...
So, oder so ähnlich könnten die ersten Zeilen eines Horror-Romanes lauten. Aber zurück zur Realität. Die beiden Kreaturen heißen Tommy und Micky und sie sind, ganz im Gegensatz zu uns, um diese Uhrzeit schon topfit. Halb schlafwandelnd versuchen wir, der entfesselten Kraft der beiden Hunde wenigstens ein bisschen etwas entgegen zu setzen.
Aber wieso haben es die beiden eigentlich so eilig? Nun, dazu muss man sagen, dass es sich bei dem Dorf um Thundorf handelt und hier schätzungsweise jeder zweite Einwohner eine Katze ist. So wird also von Tommy und Micky jede Stelle, an der sie einen dieser Einwohner ausgemacht haben, energisch angestrebt. Hier der Baum, auf den sie so ein verängstigtes Wesen gescheucht haben, dort der Busch unter dem sich eine verkrochen hat. Wir sind ständig bemüht, die Hunde etwas zu zügeln. “Tommy, da ist nix” oder “Mickey, die hat da sicher nicht auf dich gewartet”. Aber falls sie doch eine Katze aufstöbern wird es erst so richtig hektisch.
Wohl wissend, dass sie sich nach dem Morgenspaziergang faul in die Sonne legen können während wir in die Arbeit gehen müssen, legen sie sich dann erst so richtig ins Zeug. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Leine dieser Belastung standhält. Und falls nicht, dass ein Baum in der Nähe ist, auf den sich die Katze flüchten kann.
Nach einer halben Stunde hat dann der Ausflug sein Ende. Deutlich ruhiger betreten die Hunde das heimische Grundstück während wir jetzt so richtig munter geworden sind.
Noch schnell den Frühstücksnapf verschlingen, dann noch ein Schweinsohr hinterher damit der Abschied nicht so schwer fällt, und dann endlich: Sturmfreie Bude! Der Traum eines jeden Teenagers! Und was fangen die Hunde damit an? Nichts, aber auch gar nichts! Jetzt wird erst mal ausgespannt.
9:00 Uhr. Unheil naht in Form eines gelben Fahrzeugs, das von Tommy entdeckt wird, als es beim Nachbarn stehen bleibt. Lautstark wird das Gefährt entlang unseres Grundstückes angebellt, bis es schließlich auch an unserem Gartentor anhält. Als dann auch noch ein seltsam uniformierter Mann in Gelb-Blauem Anzug aussteigt und unerschrocken auf den Briefkasten zumarschiert wird aus dem Gebelle ein durchgehendes Dauergrollen. Micky springt dann aus dem Stand einen Meter hoch und läuft aufgeregt hin und her. Und das Gehabe scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen. Kaum hat der Mann etwas in den Briefschlitz geworfen, dreht er um und tritt den Rückzug an. Feigling! Noch ein bisschen hinterhergebellt und dann stolzieren sie hoch erhobenen Hauptes von der gewonnenen Schlacht zurück zu ihren vorgewärmten Liegeplätzen.
Auch Micky genießt es inzwischen, ein richtiges zu Hause zu haben. Das war nicht immer so. Als wir sie im Mai 2002 zu uns holten war sie sehr verängstigt und verstört. Sie war vom Tierschutzverein aus schlechter Haltung befreit worden. Damals war nicht daran zu denken mit Ihr einfach mal zu spielen. Sie hatte vor jeder schnellen Bewegung und vor jedem Gegenstand Angst.
Und Heute? Oft wälzt sie sich vor lauter Wonne im Gras oder wirft uns Ihren Lieblings-Tennisball vor die Füße, in der Hoffnung, dass man ihn möglichst weit wirft.
Der Rest des Tages verläuft dann recht gemächlich. Ab und zu mal eine Katze vom Zaun verscheuchen oder den Nachbarn anbellen, der sich einbildet er dürfte einfach seinen Rasen mähen. Früher verirrten sich noch manchmal Katzen auf unser Grundstück. Das war lustig! Das war etwa vergleichbar mit dem Start einer Rakete, nur ohne Feuerschweif. Fast wären sie über den Baumwipfel hinausgeschossen. Ist man nicht zufällig Zeuge dieses Vorgangs, dann sitzt die Katze bis Abends, wenn wir aus der Arbeit kommen, auf dem Baum und Tommy und Micky darunter. Aber inzwischen sind auch die schlauer geworden.
Ist es dann 17:00 Uhr geworden, kommt wieder Leben in die müden Knochen. Dann kommt nämlich Christine aus der Arbeit zurück. Mit lautem Freudengewinsel wird sie empfangen und muss erst mal eine Portion Streicheleinheiten verteilen bevor sie das Haus betreten kann. Eine halbe Stunde später komme dann auch ich nach Hause. Auch für mich haben die beiden Hunde noch eine angemessene Begrüßung übrig.
Kaum hat sich die Aufregung gelegt, versetzen wir die beiden mit den Worten “Gemma Gassi?” in Ekstase. Und wieder beginnt die gleiche Prozedur wie beim Morgenspaziergang. Andere Strecke aber genausoviele Katzen oder, falls wir einen Feldrundgang machen, Hasen. 
An heißen Tagen geht`s ab in die Donau. Kommt Tommy dann tropfnass aus dem Wasser, sehen wir uns gegenseitig an ,“Ach, der hot no ned
zuagnumma!”, Was soviel bedeutet wie: die Abendration wird nicht gekürzt, auch wenn böse Zungen behaupten, er wäre schon fülliger geworden.Wieder zu Hause angekommen wird also diese Abendration verschlungen. Als Dessert gibt´s dann noch einen Pansen hinterher. Dann wird noch ein bisschen im Garten gespielt und irgendwann, wenn es langsam dunkel wird, setzt sich Tommy auf die Terrasse, überblickt sein Reich und scheint zu denken: Ein Tag wie dieser darf morgen auch wieder sein!
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