Liebe Freunde vom Tierheim Wangering,

zwei ereignisreiche Wochen sind vergangen, endlich habe ich Zeit, mich mal bei Euch zu melden.

Womit fange ich an? Am besten mit dem Unerfreulichen, dann haben wir es gleich hinter uns: also Autofahren ist gar nicht so mein Ding. Auf der Fahrt von Wangering heim ins Altmühltal hat mich mein Frühstück in drei Etappen auf dem falschen Weg wieder verlassen, Peter und Heidi haben Unmengen Einmalhandschuhe, Küchentücher, Mülltüten und feuchte Putztücher verbraucht...Alle waren heilfroh, als wir zuhause ankamen und im Garten entspannen konnten.

Gleich wartete schon die nächste Herausforderung: die drei Katzen wollten mich kennen lernen, von ihrem Urteil hing ja nun einiges ab. Die beiden Kater waren gleich tolle Kumpels, nur die Dame des Hauses zickte herum. Das Problem habe ich souverän gelöst, schon am nächsten Tag gab sie mir Nasenküsschen und findet mich seitdem ganz okay.

Die nächste Hürde musste ich nehmen, als wir abends alle zusammen ins Haus gingen: Zuerst habe ich gar nicht verstanden, was sie von mir wollten, sie fuchtelten mit Schwämmen und Handtüchern und Bürsten und Kämmen herum, redeten ununterbrochen auf mich ein und bestanden darauf, dass ich mir das gefallen lasse. Danach gab es viel Lob und Leckerchen, und seit ich das weiß, bleibe ich brav stehen, warte geduldig, bis die tägliche Prozedur vorüber ist und alle sind zufrieden.

Samstags muss ich immer in die Schule. Anfangs waren Peter und Heidi ganz schön aufgeregt, aber als sie kapierten, wie sehr ich mich auf meine Mitschüler freue, dass ich unglaublich brav und verträglich bin und mir das Lernen viel Spaß bereitet, sind sie viel gelassener geworden.

Den Briefträger habe ich schon geküsst und der Paketfahrer hat gefragt, ob ich überhaupt bellen könne! Gib mir noch ein bisschen Zeit, dann wirst Du es hören!

Was gibt es sonst noch zu berichten? Freitags abends, wenn wir zu unserem Lieblingsitaliener gehen, bleibe ich brav und unauffällig unter dem Tisch liegen, so dass ich ein gern gesehener Gast bin. Ach ja, unter die Motorrad-Fans bin ich auch schon gegangen. Bei ganz schönem Wetter holt Peter sonntags seinen ganzen Stolz, eine alte BMW mit Beiwagen, aus der Garage und gemeinsam tuckern wir mit 60 Sachen für ein halbes Stündchen über Nebenstraßen. Finde mich todschick mit meiner Hunde-Motorradbrille, alle Radfahrer und Spaziergänger lachen mich an und winken. Bin auch schon unterwegs fotografiert worden, vielleicht werde ich berühmt!!!

Neulich lümmelten wir alle zusammen im Wohnzimmer herum, Heidi kraulte mein Öhrchen, die Katzen hatten sich über die Platzverteilung auf Heidis Schoß geeinigt und schnurrten zufrieden, auf dem Bildschirm spielten 22 Männer Bällchen. Heidi schaute mich versonnen an und bemerkte: "Unglaublich, dass wir so viel Glück gehabt haben". Peter blickte verständnislos zu ihr herüber und setzte zu einem längerem Vortrag über verdienten Erfolg und der Leistung eines gewissen Klose und eines gewissen Podolski an, um gleich wieder gebannt zum Bildschirm zu starren. Heidi zwinkerte mir zu, kraulte weiter mein Öhrchen und ich habe mir vorgenommen, nicht mehr so geknickt zu sein, wenn ich wieder mal Sitz und Platz verwechsle. Missverständnisse gehören wohl im Leben dazu...

Ich grüße Euch herzlich aus dem Altmühltal und bleibe Euer dankbarer Balou.
Ganz besonders liebe Grüße an meine Gassigeherin und an meinen Freund, den Hausmeister. Er weiß schon, warum.

P.S. Noch etwas: es gab endlose Diskussionen darüber, ob ich weiter Balou heißen soll. Eigentlich fanden sie, dass der Name sehr gut zu mir passt, aber Heidi hat sich angeblich schon immer einen Monty gewünscht.
Anfangs habe ich das tapfer ignoriert, aber das Biest hat mich mit Leckerchen und Schmusestimme ausgetrickst, ehe ich mich versah, hatte ich mich an meinen neuen Namen gewöhnt...

Nachtrag vom 12.12.2010:

Liebe Freunde,

nun ist es aber allerhöchste Zeit, dass ich mich wieder einmal bei Euch melde, um ein paar Neuigkeiten loszuwerden. Wir haben etwas gemacht, das man "DNA-Test" nennt, und nun haben wir es auch schwarz auf weiß: ich bin von erstklassiger Abstammung und Herkunft!

Also, zu ganz großen Teilen, nämlich zwei Drittel bis drei Viertel, bin ich natürlich Deutscher Schäferhund, lernwillig und intelligent, selbstbewusst und ausgeglichen, aufmerksam und friedliebend. Dann steckt noch sehr viel Mittelschnauzer in mir, so 20 bis 35 %. Ja, deshalb bin ich so ehrlich und unkompliziert, anhänglich und kinderlieb, mag unsere Katzen und alle anderen Hunde.

Außerdem stecken etwa 10 bis 20 % Neufundländer in mir. Majestätisch, fröhlich und unternehmungslustig, wohlwollend und milde. Leider auch ein kleines bisschen eigensinnig und phlegmatisch, was Peter mir ungerechterweise häufig als Sturheit auslegt. Sowie ich nicht hundertprozentig auf Zack bin und in Ruhe überlegen möchte, ob es beispielsweise wirklich sinnvoll ist, mich vom Esstisch zu entfernen und in mein Eckchen neben dem Kamin zu begeben, heißt es gleich: "Da kommt wieder der Neufundländer in ihm durch!". Heidi dagegen lamentierte tagelang herum, dass ich ja überhaupt nicht wie ein Neufundländer aussehe und dass dem Labor da ein grober Fehler unterlaufen sei. Erst als Rainer - das ist mein Hausarzt - ihr geduldig erklärte, dass man einem Pudel auch nicht unbedingt ansieht, dass seine DNA von allen Hunderassen dem Wolf am ähnlichsten ist, gab sie endlich Ruhe.

Zu guter Letzt bin ich bis zu 10 % Englischer Setter. Elegant und sanft, mit ausgeprägtem Jagdsinn. Ein Kapitel, auf das ich nur sehr ungern eingehen möchte, hat es doch damit zu tun, dass ich manchmal an der Leine ziehe, um einer vielversprechenden Fährte zu folgen, was sich leider sehr ungünstig auf Heidis Bandscheiben auswirkt. Ist ja auch wirklich nur manchmal, so unter zehn Prozent, ehrlich.

Im Herbst haben wir noch etwas gemacht, etwas, das man "Urlaub" nennt.

Wir haben an der Nordsee in einem hundefreundlichen Hotel gewohnt und hatten jeden Tag Zeit für lange Strandspaziergänge, das war sehr schön. Weniger schön war, dass Peter mich partout überreden wollte, mit ihm zu schwimmen. Ich bin doch kein See-Hund! Aber so ein Strandkorb, das ist etwas Feines. Und weil die leider, leider nur für zwei Personen ausgelegt sind, haben Peter und Heidi sich schön abgewechselt...

Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest und alles, alles Gute im Neuen Jahr.

Euer Monty

PS: P.S. Heidi hat mir erzählt, dass meine alten Freunde Loona und Miro auch ein schönes Zuhause gefunden haben. Das freut mich riesig. Ganz besonders liebe Grüße an Lisa (ich finde, Du hast Deine Auszeichnung wirklich verdient) und an meinen Freund, den Hausmeister.

zurück