01.03.2012

Nur eine teure Operation kann Haui retten

Praxis sammelt Spenden für todkranken Hund
(Bericht aus der DZ)


Von Katharina Häringer

Metten. Ein bisschen tollpatschig sieht es aus, wenn Haui durch das Wartezimmer der Mettener Tierarztpraxis tapst. Der kleine Golden Retriever ist noch wackelig auf den Beinen. Woran das genau liegt, wusste Tierarzt Dr. Robert Dörr lange nicht, nun steht die Diagnose fest: Haui leidet an einer lebensbedrohlichen Krankheit, er hat portosystemischen Shunt, das ist eine Gefäßanomalie im Bereich der Leber. Nur eine komplizierte Operation kann ihn retten. Doch die kostet Geld. Rund 2000 Euro wurden von einer Spezialklinik dafür veranschlagt, daher sammelt die Mettener Tierarztpraxis jeden Cent.

Haui hat kein Herrchen, das die Kosten tragen könnte. Der Hund wurde vor zwei Wochen von einem Mitarbeiter des Veterinäramtes in die Praxis gebracht, weil er unter katastrophalen Bedingungen gehalten wurde. Er hauste mit acht weiteren Vierbeinern auf fünf Quadratmetern. Eine verrottete Glaswollmatte diente als Liegefläche, die Tiere lebten zwischen ihren Exkrementen und Sägespänen.

Doch Haui wirkt trotzdem lebenslustig und munter. Mit seiner Zuneigung suchenden, offenen Art eroberte er die Herzen der Artzhelferinnen im Nu. Besonders Steffi Wasenauer (25) hat es das flauschige Wollknäuel angetan. Sie hatte Mitleid, wollte den "Kleinen" nicht übers Wochenende in der Box lassen und entschied sich kurzerhand, ihn mit nach Hause zu nehmen. Dort zeigten sich zum ersten Mal seine Krampfanfälle, bisher traten nur Lähmungserscheinungen auf.

Die Blutbefunde waren alle negativ, zunächst wusste Dr. Dörr nicht, was Haui fehlt. Eine Untersuchung auf Ammoniak im Blut brachte die niederschmetternde Diagnose Leber-Shunt. Durch eine Blutgefäßveränderung fließt zur Entgiftung zu wenig Blut durch die Leber. Das ist extrem selten, sagt Robert Dörr. Erst zweimal habe er diese Diagnose gestellt. Plötzlich erklärte sich auch Hauis Körpergröße: Haui ist ziemlich klein, im Grunde sieht er wie ein Welpe aus. Vom Veterinäramt wurde er zwölf Wochen alt geschätzt. Doch ein Blick auf die Zähne verriet, dass Haui schon mindestens ein halbes Jahr alt sein muss. Tiere die an Shunt erkrankt sind, leiden unter Zwergenwuchs.

Derzeit lebt Haui bei seinem Frauchen Steffi Wasenauer und ihrem Sohn. Weil der Hund 24 Stunden am Tag beobachtet werden muss, nimmt sie ihn tagsüber mit in die Arbeit. Dort wohnt er im Wartezimmer oder tollt draußen im Garten herum. Das einzige, was das Praxis-Team momentan tun kann, ist seine Beschwerden zu lindern. Das bedeutet konkret, auf seine Ernährung zu achten. Steffi Wasenauer kocht für den Golden Retriever vegetarisch. Auf dem Speiseplan steht ammoniak-arme Kost, also Nudeln, Reis, Bananen und Quark. Damit hat er seltener Lähmungserscheinungen. Wirklich helfen kann Haui aber nur die Operation. Sollte er nicht operiert werden, wird er sterben. 

In Haar bei München könnte die Gefäßanomalie beseitigt werden und Haui könnte - bis auf eine lebenslange Leberdiät - ein normales Hundeleben führen. Steffi Wasenauer kämpft um ihren Pflegehund. Sie gründete auf Facebook die Gruppe "Spendenaufruf für Haui". Dass sich Dörrs Helfer-Damen für den Vierbeiner so ins Zeug legen, versteht der Arzt: "Haui hat eine Chance verdient."

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