02.01.2011

Das große Sterben für

ein bisschen Pelzbesatz

Über die Tierquälerei bei der Pelzgewinnung

Es gibt Menschen, die freuen sich so richtig, dass es Winter ist. Kann man doch endlich wieder die Leichenteile aus dem Schrank holen. Denn in der Haut von 50 bis 100 Tierleichen fühlt man sich so richtig gut angezogen. Egal, dass für diesen vermeintlichen Luxus weltweit etwa 50 Millionen Tiere umgebracht werden. Egal, dass sie bei der Fallenjagd qualvoll an ihren Verletzungen sterben. Egal, dass sie mit wund gescheuerten Pfoten völlig verhaltensgestört in Käfigen vegetieren. Egal, dass sie erschlagen, vergast oder erstickt werden. Will man doch zeigen, was man selbst oder der Mann so verdient.

Allerdings empfinden auch viele Menschen Abscheu und Ekel, allein schon bei dem Gedanken an Pelz. Doch was ist mit dem Pelzbesatz an der Kapuze, an dem Kragen, an den Stiefeln oder gar mit Spielmaus der Katze? Ganz offensichtlich wird hier die Hemmschwelle beim Pelzkauf gesenkt. Nur: Ein bisschen Sterben gibt es nicht. Auch für den kleinsten Pelzbesatz wird ein Tier zu Tode gequält.

Meist stammen diese Pelze von Kaninchen, da sie günstiger sind, als die von Fuchs oder Nerz. Dabei ist Kaninchenpelz kein so genanntes „Abfallprodukt“ der Fleischindustrie, wie uns gerne erzählt wird. Denn auch bei der Kaninchenzucht unterscheidet man zwischen Fleischgewinnung und Pelzgewinnung. Rex-Kaninchen werden gezüchtet und getötet, um ausnahmslos aus ihren Fellen Gewinn zu schlagen, bei Orylag-Kaninchen fließen über 60 % in den wirtschaftlichen Gewinn der Pelzbranche. Lediglich von den weißen „Mastkaninchen“ wird das Fell für Firlefanz verramscht.

Die Zuchtanlagen ähneln den Lebebatterien der Hühner. Während die weißen Kaninchen in Gruppen gehalten werden, verbringen Rex und Orylag ihr kurzes, trauriges Leben in Einzelhaft in winzigen, stinkigen Drahtgitterboxen, in denen sie nicht die geringste Möglichkeit haben, ihren natürlichen Bedürfnissen nachzugehen.
So grausam die Haltung, so grausam die Schlachtmethoden.

Dabei sind Kaninchen hoch soziale Tiere. Menschen, die mit Kaninchen leben, wissen, wie anhänglich, loyal und liebevoll sie mit anderen Kaninchen und ihren menschlichen Begleitern umgehen. Sie sind sensible, schlaue Tiere mit einer individuellen Persönlichkeit.

Zum größten Pelzproduzenten der vergangen Jahre hat sich China entwickelt. Dort werden Kaninchen, Füchse, Nerze und Marderhunde unter erbärmlichsten Umständen gehalten und unvorstellbar grauenvoll abgeschlachtet, da es keinerlei Tierschutzbestimmungen oder Kontrollen gibt.
China, ebenso Thailand, Korea oder die Philippinen, importierten in der Vergangenheit in großen Mengen auch Katzen- und Hundefelle nach Europa. Ein Handelsverbot trat allerdings am 1. Januar 2009 EU-weit in Kraft. Ein großer Erfolg für den Tierschutz. Tatsächlich?

Die Umgehung dieser Gesetze ist ein Kinderspiel. Sind Hunde- und Katzenfelle erst einmal gefärbt und präpariert, ist es ohne teure DNA-Tests praktisch unmöglich festzustellen, welches Tier sich hinter dem Pelzbesatz verbirgt. Auch muss Bekleidung im Handel nicht eindeutig gekennzeichnet sein und wird häufig nur mit  „Echtes Fell“ oder auch falsch als „Kaninchenpelz“ deklariert. China liefert mehr als die Hälfte aller fertigen Pelzbekleidung, die für den Verkauf in die USA und nach Europa importiert werden.

Ferner hat die Globalisierung des Pelzhandels es unmöglich gemacht, festzustellen, woher Pelzprodukte ursprünglich kommen. Häute durchlaufen internationale Auktionshäuser und werden verkauft und vertrieben an Hersteller weltweit; die Endprodukte werden häufig exportiert. Der Ursprung eines Pelzes kann somit nicht zurückverfolgt werden.

Doch egal ob Fuchs, Nerz, Kaninchen, Katze oder Hund. Egal ob Mantel oder „nur“ Pelzbesatz. Kein Pelz ist besser oder schlechter als der andere.

Pelz bedeutet immer Mord.

Ich habe einmal eine Frau, die neben 50 Tierleichen auch ihr Schosshündchen spazieren trug, gefragt: „Was würden Sie sagen, wenn man Ihrem Hund das Fell über die Ohren ziehen würde?“

Ilona Kienle
Quellen: PeTA Deutschland www.peta.de
Fotos: PeTa

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