15.07.2010

"Wirklich etwas für Tiere tun"

Heike Vornehm, Maria Schuhbaum und Silvia Straßer sind das neue Trio an der Spitze des Tierschutzvereins Deggendorf und Umgebung und leiten das Tierheim Wangering
(Bericht aus DEG aktuell)

Wangering. Bei ihrem ersten Besuch erfuhr sie schroffe Zurückweisung: Als Heiek Vornehm am 13. Dezember 2006 ins Tierheim Wangering kam, um einen der bellenden Bewohner mit einem Spaziergang zu beglücken, weigerte sich der Berner Sennen-Mischling standhaft. Eine Viertelstunde, erinnert sich die Biologin, habe es gedauert, bis "Johnson" endlich bereit war, sie zu begleiten, noch viel länger, bis der zutiefst verstörte Rüde sich endlich überzeugen ließ, in ein Auto zu steigen. Heike Vornehm hat die Herausforderung damals angenommen - und auch im April diesen Jahres ja gesagt, als man ihr antrug, den Vorsitz des Vereins zu übernehmen.

"Man kann wirklich etwas tun für die Tiere hier", sind auch ihre Stellvertreterinnen Maria Schuhbaum und Silvia Straßer überzeugt. Ebenso wie Heike Vornehm wollten sie "eigentlich nur mitmachen, ohne Ambitionen auf ein Amt". Doch wer sich engagiert, und das über Jahre hinweg, kommt irgendwann nicht mehr umhin, Verantwortung zu übernehmen.

Vorsitzen heißt nicht sitzen

Dabei ist es mit der Verantwortung nicht getan: Der Vorsitz im Tierheim ist gleichbedeutend mit viel Arbeit, Papierkram und Verwaltungsaufgaben, aber auch handfestem Hinlangen. Jeden Mittwoch, Freitag und Samstag von 14 bis 17 Uhr ist das Tierheim geöffnet, jetzt kommen die "Gassigeher", Hund werden ausgegeben und wieder angenommen, Besucher treffen ein, wollen sich umsehen, das Telefon klingelt, jemand hat Probleme mit seiner Katze, sucht guten Rat, ein anderer meldet, dass die Meerschweinchen in der Nachbarschaft nicht ordnungsgemäß gehalten werden, dazwischen ein Anruf der Tierhilfe, man habe eine herrenlose Katze aufgegriffen, werde das Tier nachher vorbeibringen.

Der ganz normale Wahnsinn in Wangering, lautstark untermalt vom Gebell aus Dutzenden von Hundekehlen. Knapp 50 Hunde und 70 Katzen, davon mehr als die Hälfte Babys, haben derzeit im Tierheim Quartier bezogen, die Kleintiere - vor allem Meerschweinchen - sind ausgelagert bei Sigrid Geigenfeind in der Außenstelle bei Schaufling.

Alle Tiere sind geimpft, gechipt und, soweit gesundheitlich möglich, kastriert. "Die allermeisten unserer Hunde und Katzen sind völlig unproblematisch", versichern die drei Vorstandsdamen, wenngleich es natürlich Ausnahmen gebe, wie zum Beispiel den dreijährigen Dalmatiner-Mischling Benji, der vor knapp zwei Jahren mit 40 anderen Hunden völlig verwahrlost in einem Keller ohne Tageslicht aufgefunden wurde. Noch heute, erzählt Maria Schuhbaum, sei der Rüde völlig verstört, misstrauisch gegen alles und jeden, und entsprechend schwer zu vermitteln. 

Schicksale wie dieses sind es, die die Tierliebhaberinnen in Rage bringen. Menschen, die ein Tier unter unsäglichen Bedingungen halten, es nicht füttern, es auf engstem Raum einsperren, ohne Artgenossen, es quälen oder manchmal auch einfach vergessen. "In Sachen Tierhaltung ist Niederbayern tiefstes Mittelalter", urteilt Heike Vornehm hart. 

Tierquälerei oft nur aus Unwissenheit

Wird ihr oder ihren Kolleginnen ein entsprechender Fall gemeldet, werden sie unverzüglich aktiv. Denn wenn auch der Tierschutzverein keine direkte Handhabe gegen Tierquäler hat, ist er doch gewissermaßen Kontrollinstanz. "Wir fahren hin, versuchen, mit den Leuten zu reden, bevor wir das Veterinäramt einschalten", erzählt Silvia Straßer. Oft reiche es schon. Denn vielfach gründe eine nicht tiergerechte Haltung oder Behandlung allein auf Unwissenheit. 

Auch dafür sind die Damen des Vorstandes da: Um Fragen zu beantworten, um in Sachen Tierhaltung oder -erziehung zu beraten oder im Zweifelsfall auch klar zu machen, dass ein Tier Geld kostet und kein Tennisschläger ist, den man bei Bedarf in die Ecke stellen kann. 

"Heute rief mich eine Frau an, wollte, dass wir ihren Hund aufnehmen, weil sie nach einem Tag gemerkt hat, dass er doch nichts für sie ist", erzählt Heike Vornehm kopfschüttelnd. Manchmal sei es schwer, höflich zu bleiben, manchmal helfen auch nur klare Worte. 

"Neulich stand ein junges Paar vor der Tür, mit einem Neufundländer-Mischling. Sagte, der Opa sei gestorben", erinnert sich Maria Schuhbaum: "Allerdings konnten sich die beiden nicht einig werden, wessen Opa gestorben ist!"

Märchenstunde im Tierheim. Auch das kommt vor. Maria Schuhbaum, vor 15 Jahren als "Gassigeherin" in Wangering eingestiegen und schon seit mehreren Jahren stellvertretende Vorsitzende, hat ebenso wie ihre Kolleginnen genug Erfahrung und Menschenkenntnis, um zu erkennen, wenn etwas faul ist. Soweit Platz ist, wird trotzdem keinem Asylbewerber die Tür gewiesen. Schließlich gilt es unter allen Umständen zu verhindern, dass ein Tier ausgesetzt, misshandelt oder - im schlimmsten Fall - getötet wird.

"Die Zahl der Fundtiere nimmt zu, viele von ihnen sind krank oder verletzt", berichtet Heike Vornehm. Anders als früher, als die Tierschützer selbst losfahren mussten, um die herrenlosen Hunde und Katzen aufzusammeln, gewährleiste dies seit kurzem der Tierrettungsdienst Renz. Die Zusammenarbeit funktioniere prima, auch mit dem Veterinäramt kooperiere das Tierheim hervorragend.

"Supergut", versichern Heike Vornehm, Maria Schuhbaum und Silvia Straßer, sei auch die Stimmung im Team. Rund 40 ehrenamtliche Helfer seien regelmäßig im Dienst, eine der fleißigsten sei Larissa Wörz. "Das Mädel verbringt seine gesamte Freizeit in Wangering und kennt jedes einzelne Tier"!

Mit Haut und Haar widmen sich auch die drei Vorstandsdamen dem Tierheim und dem Tierschutz. "Jede von uns wurstelt auch daheim", meint Heike Vornehm fröhlich: Ämtergänge erledigen, Rechnungen durchsuchen, Dankschreiben verfassen oder an Artikeln für das jährlich erscheinende Tierheimheft schreiben - eine Menge Vorstandsarbeit erfolgt im Verborgenen und erfordert nicht zuletzt den Rückhalt von Familie und Freunden.

Trotz alledem bleibt dem neuen Führungstrio aber auch noch Zeit und Raum für Visionen. Noch vor dem Winter, kündigt die Vorsitzende an, würden die Hundehütten saniert und isoliert. Im Herbst werde man in Wangering wieder zu einem Tierheimfest einladen.

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