13.07.2010

Tierischer Spaß: Zwinger, Leine, fertig, los

Lisa Achatz (14) geht mit Tierheim-Hunden Gassi - Wangering könnte mehr Helfer gut gebrauchen
(Bericht aus der PNP)

von Sabine Kain

Mittwochs, freitags, samstags jeweils drei, vier Stunden lang - wenn das Wetter mitspielt. Lisa Achatz' liebste Freizeitbeschäftigung ist durchaus zweitaufwendig. Die 14-jährige Schülerin hilft unentgeltlich im Tierheim Wangering und führt Hunde Gassi. Die DZ-Szene hat sie dabei einmal begleitet. 

"Ich wollte selber immer einen Hund haben", erzählt Lisa und man ahnt schon, was folgt: "Aber Papa hat gemeint, das geht nicht, weil beide Eltern arbeiten und da keine Zeit bleibt für einen Hund." Eine Katze hat die Familie schon daheim, dazu Hasen und Schildkröten. Ein weiterer Vierbeiner wäre zu viel gewesen. Aber dann kam Lisa auf einem anderen Weg doch noch auf den Hund - und das gleich dutzendfach. "Mein Vater ist früher manchmal mit den Hunden aus dem Tierheim Gassi gegangen und kannte noch jemanden, der mich mal mitgenommen hat", erklärt Lisa. Knapp zwei Jahre dürfte das inzwischen her sein. Seitdem kommt sie regelmäßig nach Wangering, legt Körbchen und Decken in die Zwinger, bürstet Felle und hilft beim Füttern. Im letzten Dezember hatte sie Geburtstag und gleich doppelt Grund zur Freude. Seitdem darf Lisa nämlich mit den Hunden auch raus.

Gassigehen ist im Tierheim Wangering erst ab 14 Jahren erlaubt. Wenn man sieht, wie unbändig sich Fundhund Nelly freut, als Lisa mit Geschirr und Leine zu ihr in den Zwinger kommt, kann man sich ausmachen, dass jüngere Kinder nicht die Kraft haben, diese Freude in Zaum zu halten. Nelly ist noch nicht lange im Tierheim. Erst vor kurzem hat man die etwa zweijährige Hündin bei Osterhofen gefunden - von ihrem Herrchen oder Frauchen keine Spur. Ob Nelly ausgerissen ist oder ausgesetzt wurde, weiß man nicht.  Meldet sich ihr Besitzer nicht binnen vier Wochen, versucht man, ein neues Zuhause zu finden.

Ob es außer ihr noch andere Jugendlich gibt, die regelmäßig mit den Hunden Gassi gehen? "Larissa. Und ab und zu ist der Christopher da", überlegt Lisa. Ihre Freunde haben zwar nichts dagegen, dass sie so viel Zeit mit den Hunden verbringt, doch selbst Gassi gehen kommt für sie nicht in Frage. Lisas beste Freundin hat sogar Angst vor Hunden. Nun? "Ein paar mehr Gassigeher könnten wir schon brauchen", so Lisas Fazit.

Weil Nelly nur einer von vielen Hunden im Tierheim Wangering ist, muss das Gassigehen einem bewährten Plan folgen. "Sonst gehen manche Hunde öfter Gassi und andere vielleicht gar nicht", erklärt Lisa und führt uns zu einer Tafel. In einer Tabelle sind alle Hunde aufgelistet, daneben finden sich drei Spalten. Wer mit einem der Hunde losmarschiert, muss einen Magneten von "Nein" auf "Ja" und später auf "zurück" verschieben, damit andere Gassigeher wissen, welche Vierbeiner unterwegs sind oder waren und welche noch sehnsüchtig auf ihren Ausgang warten.

Wenn Lisa drei, vier Stunden in Wangering ist, geht sie nicht mit einem Hund. Drei, vier können es schon werden. Manchmal geht sie auch mit mehreren gleichzeitig, zwei kleine kann sie gut in Schacht halten. Bei heißem Wetter geht´s in den Wald, ansonsten über die Wiesen oder die Straße entlang, auf der einen Straßenseite hin, auf der anderen zurück. Natürlich sind ein paar Vierbeiner darunter, mit denen sie besonders gerne geht: "Nelly, Max, Balu. Aber der ist jetzt weg." Balu hat vor kurzem ein neues Zuhause gefunden. Das heißt Abschied nehmen. "Auf der einen Seite ist man traurig", gibt Lisa zu, "aber es ist auch schön, wenn die Hunde einen Platz finden."

Ob sie keine Angst hat, wenn sie mit einem großen, kräftigen Hund das erste Mal raus geht? Als würde sie schon die Frage wundern, schüttelt sie erstmal nur zaghaft den Kopf. "Nein, Angst habe ich keine. Es gehen ja auch erst die etwas stärkeren Gassigeher mit den neuen Hunden los und dann sieht man gleich, ob einer brav ist." Und Nelly ist eine ganz Brave. Nur eben so furchtbar aufgeregt, weil sie endlich mit Lisa raus darf.

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